Kilimandscharo-Tour (5.896 m)
Tag 1 – Zum “Waldcamp”
Nach 1,5 Jahren nicht erfolgter Vorbereitung setzten wir die Drohung um, den höchsten Berg Afrikas zu besteigen und machten uns daher mal kurz nach Tansania auf.

Da die Coca-Cola-Route (Marangu) im Vornherein schon ausgeschlossen wurde und die Machame-Route bereits ziemlich überlaufen ist, wählten wir für unser Unterfangen die weniger begangene, landschaftlich aber angeblich attraktivere Lemosho-Route.

Nicht selten kreuzten Kinder unseren Weg, um nach Schokolade oder Geld zu fragen. Auch Ausrüstungsgegenstände waren begehrte Geschenke.

Nach der Registrierung am Londorossi-Gate und anschließendem Wiegen der Ausrüstung wurden wir zum Lemosho-Gate gefahren und begannen die Wanderung durch die Regenwaldzone in Richtung Waldcamp. Höhenmeter beim eigentlichen Start am Gate ca. 2.200m.

Wer auch immer für das Wetter zuständig war, er hatte einen guten Lauf. Nicht ein einziges Mal während der ganzen Tour regnete es. Die einzige Berührung mit Wolken hatten wir beim Kreuzen der Wolkengrenze.

Nach ca. drei Stunden quer durch den Regenwald hatten wir das Waldcamp auf 2.650m erreicht. Dies sollte zugleich unser erster Übernachtungsort sein.

Tag 2 – Zum “Shira-1 Camp”
Am nächsten Morgen ging es so weiter, wie der Vortag beendet wurde – weiter durch den Regenwald bei bestem Wetter,

… dessen Dichte aber mit zunehmender Höhe abnahm.

Nach ca. einer Stunde war der Mount Meru (4.566m) zu sehen, der dritthöchste Berg Afrikas und zugleich ein beliebter “Akklimatisationsberg”, um anschließend mit verbesserten Chancen den Kilimandscharo besteigen zu können.

Noch war der Bart kurz genug, um beim Sterne-Koch ohne Aufsehen zu erregen, was zu Essen zu bekommen!

Nach ca. zwei Stunden Marsch haben wir bereits den Regenwald verlassen und betraten nach und nach die Heidezone.

Noch immer war kein Gipfel zu sehen obwohl wir uns längst auf dem Berg befanden.

Schlussendlich erreichten wir für diesen Tag nach ca. fünf Stunden Marsch unser zweites Nachtlager, das “Shira-1 Camp” (ca. 3.610m).

Und von dort aus konnten wir das erste Mal in “Richtung” Gipfel schauen.
Tag 3 – Zum “Shira-2 Camp”

Am nächsten Morgen ging es über das Shira-Plateau zum “Shira-2 Camp”, welches auch als “New-Shira Camp” bezeichnet wird.

Das Shira-Plateau wirkt ziemlich trost- und leblos…

… was wohl daran liegt, dass eine Zigarettenkippe vor einigen Jahren einen Brand verursacht hat, der nahezu das gesamte Plateau vernichtet hat.

Nach und nach kehren aber Vegetation und Leben zurück.

Hier unser Assistant-Guide bei der Zubereitung von Zuckerrohr,

… bevor es durch das Moorland weitergeht, stets mit dem Kibo-Sattel im Blick.

Das Wetter war, wie bereits Eingangs erwähnt, einfach nur Klasse.

Unsere erster Berührung mit den gigantischen “Lobelia deckenii”…

… bevor wir das “Shira-2 Camp” auf ca. 3.850m erreichen. Aus der dahinter liegenden Schlucht ziehen fleißig Wolken in das Shira-Plateau.

Auf diesen, doch eher unbequemen Liegen, werden Notfälle bis zu den Punkten geschafft, an welchen Sie durch Jeeps aufgesammelt werden können. Hier wird wohl kein Unterschied zwischen privat- und gesetzlich versicherten gemacht.

Und wieder ging es in die Zelte…

Tag 4 – Zum “Barranco Camp”

Dieser Tag sollte sich im Nachhinein als erste “Bewährungsprobe” hinsichtlich der Gipfelambitionen darstellen…

Nicht nur, weil es nachts ziemlich kalt wurde, sondern auch…

… da hier das erste Mal die 4.000m-Marke überschritten wurde, …

mit dem Ziel, den Lava-Tower auf 4.600m zu passieren…

um dann im Barranco-Camp auf 3.950m das nächste Nachtlager aufzuschlagen. Im Hintergrund ist wieder schön der Mt. Meru zu erkennen.

Hier befanden wir uns bereits in der alpinen Wüste

oder Mondlandschaft, wie manche zu sagen pflegen.

Dieses Foto ist eines meiner Favoriten

Ab ca. 4.400m wurde es langsam ungemütlich. Regelmäßig an den Nachmittagen zwischen 1300 und 1500 Uhr zogen die Wolken vom Süden her herauf.

Die Luft wurde zwar schon richtig dünn auf 4.600m, aber für Unfug hat es noch gereicht.

Im Lava-Camp durften wir einer Demonstration beiwohnen, wie Druckkammern in Notfällen eingesetzt werden. Der eine oder andere aus unserer Gruppe hätte sich gerne in der Kammer gesehen.

Ab dem Lava-Camp ging es wieder bergab in Richtung Barranco-Camp. Hier ist ein kurzer Ausblick auf den Western-Breach-Wall möglich, der kürzeste Weg zum Gipfel, aber auch der Härteste.

So langsam kehrt auch wieder Leben zurück, Höhe hier etwa 4.200m.

Das Barranco-Camp (3.950m) und der erste Tag, an welchem wir nahezu stehend KO waren. Für den ersten unserer Teilnehmer war hier klar, er wollte nicht bis auf den Gipfel.
5. Tag – Zum “Barafu-Camp”

An diesem Tag droht ein ähnlicher Gewaltmarsch.

Gleich neben dem Camp gilt es erst mal eine ca. 300m hohe Wand zu bewältigen…

… mit mehr oder weniger schwerer Last,

bevor mal wieder etwas Panorama genossen werden konnte.

Noch mal kurz etwas Felsenklettern…

und der Gipfel lag wieder in greifbarer Nähe.

Dann wieder runter…

rauf …

noch weiter rauf …

um dann wieder 200m runter zu klettern,

weil es danach wieder 200m rauf ging. An dieser Stelle hätte jeder den Gang über eine banale, wackelige Hängebrücke riskiert.

Nach kurzer Rast im Karanga-Camp auf knapp 4.000m und nach ca. vier Stunden Marsch geht es weiter in Richtung Barafu-Camp.

Vom ersten Teilnehmer haben wir uns im Karanga-Camp bereits verabschiedet.

Auf knapp 4.500m merkt man wirklich jeden Anstieg, wie auch diesen letzten für diesen Tag.

Es gilt noch mal eine ca. 200m hohe Wand zu bewältigen,

bevor man das Barafu-Camp erreicht und sich ins Zelt schmeissen kann.

Hier fällt das Atmen bereits schwer und das Übernachten auf dieser Höhe kann beklemmende Gefühle hervorrufen. Hier ein Blick auf den Mawenzi, ein Nebengipfel und oft Ziel einer Tagestour am Kili.
Tag 6 – Gipfelsturm
Gegen Mitternacht, bei vollkommener Dunkelheit ging es in Richtung Gipfel los. Leider hat sich da auch ein zweites Mitglied unserer Gruppe vonseinen Gipfelambitionen verabschiedet. Der Weg vor und hinter einem war durch eine lange Schlange an Stirnlampen gekennzeichnet, die kein Ende nahm und ab und zu wurde ein Asiate an uns zurück in Richtung Lager geschleppt.
Vier Mal war ich dabei zu sagen, dass es keinen Spaß mehr macht und zwei Mal bin ich dem “Stand-by” gerade so entronnen. Der Weg, die Anstrengung nahmen kein Ende und unglaublicherweise war es gegen 0530 Uhr dann soweit, der erste Milestone war erreicht – der “Stella Point” auf ca. 5.730m. Der Weg dorthin war eine Qual, im wahrsten Sinne des Wortes.

Weitere 45 Minuten später waren dann die letzten 160 Meter absolviert und der Uhuru Peak erreicht.

Mit den letzten Kraftreserven und dem Gipfelerlebnis vor den Augen, wurde eine regelrechte Schlacht gegen den eigenen Körper und den inneren Schweinehund geschlagen.

Vor dem obligatorischen Gipfelfoto, wir waren u.a. die ersten und schnellsten da oben, ein Schwenk zu den schwindenden Eisfällen,

auf den Sonnenaufgang…

und noch mal, bevor es dann soweit war!

Das Gipfelfoto. Die obligatorische Gipfelzigarre habe ich mir zwar nicht zugetraut, aber es war wieder genug Luft für Unfug vorhanden und die “Superman”-Pose klappt auch auf 5.895m, wobei es mich vor lauter Wind fast umgeweht hat.

Schnell noch ein paar Bilder vom Krater, …

unglaublich, aber da unten campen auch welche, …

und vom Rückweg, der durch die zunehmende Sonne nicht unbedingt einfacher wurde, …

bevor es nach ca. 20 Minuten auf dem Gipfel wieder in Richtung “Barafu-Camp” ging.

Wg. der Höhe schauten wir zu, dass wir so schnell wie möglich wieder runterkamen.

Ca. 1,5 Stunden dauerte der Abstieg, der ziemlich staubig und rutschig war.

Zeit, um bspw. das Panorama auf den Mt. Meru zu genießen blieb kaum.

Die Nase voller Schmutz, die Lungen wohl ebenso, extreme Belastung der Bänder und Knie -> Es gibt wohl wenig gesündere Möglichkeiten, seinen Prachtkörper von 5.895m auf 4.600m zu schaffen.

Im “Barafu-Camp” hatten wir dann für ca. 2 Stunden die Gelegenheit zur Ruhe…

bevor es noch am gleichen Tag auf 3.100m ins Mweka-Camp weiterging.

Die verschiedenen Klimazonen wurden im Eiltempo durchschritten, und mit jedem weiteren Meter …

… schmerzten die Glieder mehr und mehr.

Auch hier blieben kaum Gelegenheiten,

Natur und

Panorama adäquat zu genießen.

Gegen 1700 Uhr, d.h. nach nahezu 15 Stunden auf den Beinen war das rettende Zelt erreicht.
Tag 7 – Abschied vom Kibo

Am Mweka-Gate noch ein abschließendes Gruppenfoto, …

… um dann, nach einem letzten Blick zum Kibo, …

in den wohlverdienten Urlaub auf Sansibar zu fliehen.
Copyright ©2007 Andreas Rusnjak
Kamera: Nikon D70 mit AF-S DX Zoom-Nikkor 18-70mm f/3,5~4,5G IF ED
16.02.2007 – 27.02.2007
